Violette Tropfen

Nein, ich nehme keine Anhalter mit.

Auch keine Anhalterinnen.

Erst recht nicht, wenn sie nass sind.

Und schon gar nicht, wenn sie bluten.

Doch manchmal kann man nicht anders.

„Steigen Sie ein“, rufe ich in den Regen hinaus.

Die Anhalterin lässt sich in den Sitz fallen, zieht eine Plastiktüte auf Ihren Schoß und umklammert sie mit beiden Händen.

„Da draußen, da ist der reine Hass“, sagt sie.

Ich frage, ob sie schon lange im Regen gestanden hätte.

„Ein ganzes Leben.“, sagt sie, reibt sich die Nase und starrt in die Nacht hinaus.

Im Licht der Laternen sehe ich Schminke, die ihre Wangen herab rinnt und sich unter dem Kinn mit Blut zu violetten Tropfen mischt.

„Sie bluten“, bemerke ich und frage, ob sie einen Arzt benötige.

„Nein“, antwortet sie, „das ist nicht mein Blut.“

Die Scheibenwischer stemmen sich synchron gegen den stürzenden Regen.

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